Fish’n’Chips

Am Wochenende gab es bei uns Fish’n’Chips. Ein einfaches Gericht, dachte ich. Ein schnelles Gericht, dachte ich. Den Fisch hatte ich einige Tage vorher auf dem Markt gekauft, Rotbarsch, sehr lecker. Vor dem Einfrieren habe ich ihn entgrätet und vorportioniert, weil ich bin ja schlau. So habe ich nach dem Auftauen weniger Arbeit und es geht noch schneller, dachte ich. Kartoffeln schälen, in Schnitze schneiden, wässern. So sagt es der schlaue Tipp aus dem Internetz, dabei tritt ein Teil der Stärke aus den Kartoffeln aus und sie werden schneller gar. Jahaha, was soll denn jetzt noch schiefgehen? – Dachte ich.

Es fing schon damit an, dass ich zu wenig Öl hatte. Nur zweieinhalb Flaschen, etwa zwei Liter Fett, die gerade einmal einen halben Topf füllten. Da ich ein bisschen Angst vor Fettbrand habe – ich hänge an meinen Augenbrauen –, stand ich die ganze Zeit neben dem Topf und bewachte ihn. Als das Öl endlich heiß war, konnte es losgehen: Die Pommes zuerst, wir wollen ja nicht, dass am Ende alles nach Fisch schmeckt und die Panade das Öl versaut. Außerdem geht ja alles ganz schnell, das passt schon. Dachte ich. Die erste Marge Pommes dauerte etwa 20 Minuten, bis sie auch nur annähernd nach dem aussah, was man in der Imbissbude bekommt. Mist, da ist ja alles kalt, bis ich durch bin. Also in den Ofen damit. Nicht zu heiß, nur so knapp 100 Grad, zum Warmhalten.

Als die zweite Ladung anfing zu bräunen, roch es ziemlich verbrannt in der Küche. Wo kam das her? Waren etwa Kartoffelspalten neben den Topf gefallen? Nein, der Geruch kam aus dem Ofen, wo meine schönen Pommes sich ganz heimlich, still und leise in Holzkohle verwandelten. Kacke. Ich musste sie fast komplett entsorgen, für die nächsten nahm ich einen Topf mit Deckel und regelte die Ofentemperatur auf 50 Grad herunter. Die letzte Runde, dann kam der Fisch dran. Der hatte die ganze Zeit in seiner Panade gelegen und freute sich nun auf seinen großen Auftritt. Lecker Fisch in knuspriger Panade, das Highlight dieses „einfachen“ Essens. Dummerweise hatte ich nicht bedacht, dass durch das ganze Kartoffelrumgehühnere die Temperatur des Öls inzwischen viel zu niedrig war. Nach 20 Minuten war der Fisch sehr durch, die Panade aber immer noch norddeutsch-blass. Und alles andere als knusprig. Da unsere Mägen aber lautstark nach Nahrung verlangten, musste der Fisch so auf den Tisch. Zusammen mit wabbeligen Pommes, da die im geschlossenen Topf ein wenig aufgeweicht waren. Das Ergebnis war ein bisschen traurig, aber die Familie hat es dankbar verschlungen, nach dem Motto: „Der Hunger treibt’s rein.“

Fast drei Stunden habe ich in der Küche gestanden. Das war mein letztes „einfaches“ Gericht. Nächstes Mal mache ich Filet Mignon auf einem Kräuterbett mit Tomaten-Weißwein-Reduktion und Schokoladenparfait im Zuckerkäfig. Das geht bestimmt schneller.

Was für ein Tag!

Am Freitag, dem 13., fängt alles an. Wie ironisch. Meine Schwester besucht uns, um am folgenden Tag gemeinsam mit uns zur Buchmesse nach Leipzig zu fahren. Ihr Zug wird wegen eines Schadens an einer Weichenstellanlage in Neumünster ausgesetzt. Erst mit dem nachfolgenden Zug eine Stunde später kann sie ihre Fahrt fortsetzen.

Nun gut, das ist ärgerlich, aber kann passieren. Am nächsten Morgen stehen wir sehr früh auf, schultern unsere Kostüme und machen uns auf den Weg. Das Navi gibt als geschätzte Ankunftszeit 10:30 Uhr an. Um 12 Uhr will meine Schwester zur Autogrammstunde von Ruthe. Kein Problem.

Etwa 50 Kilometer vor dem Ziel wird die dreispurige Autobahn plötzlich einspurig. Baustelle – geschätzte Ankunftszeit: 11:30 Uhr. Die Ausfahrt zur Buchmesse ist gesperrt, kurz vor unserer Ankunft hat es dort gekracht. Die Ausfahrt davor lotst uns in die falsche Richtung. Eine semilegale Kehrtwende und wir sind wieder auf Kurs. Geschätzte Ankunftszeit: 12 Uhr.

Endlich ist der Parkplatz in Sicht. Es geht langsam voran, aber es geht voran. Ein Auto vor uns erklären die Wächter den Parkplatz für voll und schicken uns zum nächsten weiter. Geschätzte … und so weiter: 12:30 Uhr. Am nächsten Parkplatz ist die Schlange doppelt so lang, aber das ist jetzt auch egal. Ein Auto vor uns … Es ist wie verhext, wir werden zurück zum ersten Parkplatz geschickt!

Ich kriege langsam Schnappatmung. Inzwischen ist es 13 Uhr, die Autogrammstunde können wir schon mal knicken. Zurechtgemacht sind wir auch noch nicht. An der nächsten Ampel springe ich aus dem Auto und hole schon mal mein Schminkzeug. Pro Ampelphase schaffe ich ein Auge.

Irgendwann haben wir das Auto tatsächlich abgestellt und machen uns auf den Weg zum Eingang. Der ist gut ausgeschildert, über der Tür hängt ein riesiges Schild mit dem Wort „Eingang“. Endlich!, denke ich und will mich an der Security vorbeischieben. „Halt, hier ist kein Eingang“, hält der Wachmann mich auf. Mein Fehler, ich muss die Bedeutung des Schilds missverstanden haben.

Der richtige Eingang ist nur einen Steinwurf entfernt (wenn man Steine werfen kann wie Obelix), also nichts wie hin. Es regnet. Egal, das Ziel ist in Sicht. Nichts kann mich mehr aufhalten. Die Eintrittskarten gezückt – und wir sind drin.

Fortsetzung folgt …

Stolz

Handarbeit ist nicht so meins. Aber für die diesjährige Leipziger Buchmesse wollen wir uns alle verkleiden. Ich gehe als Cruella deVil. Die Perücke habe ich schon, was mir noch fehlt, ist ein Mantel. Ich habe diesen tollen Stoff gesehen und dachte, so schwer kann das ja nicht sein. Das Schnittmuster ist von einem Anbieter aus dem Internet. Los geht’s.

DSCF9543 Vorder- und Rückenteile zusammenzufügen war tatsächlich ganz leicht. Bis jetzt sieht es gut aus.

DSCF9544 Die Ärmel waren schon ein bisschen trickier. Aber im Großen und Ganzen sind sie ganz gut gelungen, finde ich.

DSCF9545 DSCF9546 Jetzt fehlen nur noch die Kapuze und die Saumbelege. Zugegeben, auf den Fotos im Internet sieht der Mantel ein bisschen anders aus. Ich habe auf das Innenfutter verzichtet, um Stoff zu sparen (und weil ich mir das nicht zugetraut habe), die Kapuze ist viel kleiner, als sie sein sollte (Obwohl ich mich genau an das Muster gehalten habe), aber für den geplanten Zweck bin ich mit meinem Erstlingswerk sehr zufrieden. Die Messe kann kommen!

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Nachtrag: Das Endergebnis!

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Schwerstarbeit

Seht euch diesen kleinen Kerl an. Ist er nicht süß? Bisher dachte ich, dass es kein langweiligeres – und unnötigeres – Küchengerät gäbe als einen Eierkocher. Aber seit ich gesehen habe, wie sehr der Lütte sich ins Zeug legt, um mir ein perfektes Frühstücksei zuzubereiten, habe ich meine Meinung geändert. Seid ehrlich: Wer könnte diesem Gesichtchen schon wiederstehen?

Alle lieben Ray Cokes

„Ray Cokes liest aus seinen Memoiren.“ What? Mr. MTV stellt sein Leben vor. Was hat der eigentlich gemacht in den letzten Jahren? Interessiert das wen? Aber immerhin: Es ist Ray Cokes. Der Mann hat mir Englisch beigebracht und auch, wenn ich nur noch sehr vage Erinnerungen an den Inhalt von „Most Wanted“ habe, den Mann einmal live zu sehen, der meine Jugend entscheidend mitgeprägt hat, kann ich mir doch nicht entgehen lassen.

Die Karten hatte ich im Radio gewonnen (vielen Dank, 917xfm!), also Hugo eingepackt und los. Versuche, der Teenagerin zu erklären, wo wir hingehen (der Typ von MTV! – MTwas?) waren fehlgeschlagen und ich hatte mich mit einem „Wir gehen zu einer Lesung“ begnügt. Das schien mir meinem Alter angemessener zu sein, ähem.

Wie angenehm dagegen die Ankunft im Imperial Theater: endlich normale Menschen, in meinem Alter, die alle mit MTV und „Most Wanted“ aufgewachsen sind. Fühlte sich ein bisschen wie ein Klassentreffen an. Der Meister war in Hochform, die Show das Witzigste, das ich seit Langem gesehen hatte. Statt einer klassischen Lesung (denn ganz ehrlich: Ich glaube, er wusste, dass sein Leben vor und nach MTV für die meisten jetzt nicht sooo spannend war) hat er lieber einige Szenen aus seinem Leben von Leuten aus dem Publikum nachspielen lassen. Die wirkten anfangs etwas irritiert und peinlich berührt, stellten sich nach kurzer Zeit aber als erstaunlich talentiert heraus und entwickelten immer mehr Spaß an der Sache. Mit anderen Worten: Scheiß drauf, jetzt sind wir schon mal hier, also lasst uns was draus machen!

Gleich zu Anfang kam der Hinweis, dass der Computer mit den Bild-, Video- und Tonaufnahmen, mit denen die Show untermalt wurde, kurz vor dem Auftritt abgeraucht sei und Ray und sein Techniker mehr oder weniger erfolgreich versucht hätten, die Dateien zu rekonstruieren. Ich meine, der Typ war bei MTV, da weiß man nie so genau, was Absicht und was wirklich schiefgegangen ist. Ich habe aber den leisen Verdacht, dass das Chaos, das sich durch sämtliche Szenen zog, so tatsächlich nicht beabsichtigt war (was es für mich zumindest nur umso lustiger machte). In einer Szene sollten zum Beispiel zwei Kandidaten verfremdete Gesichter von Promis erraten und der jeweilige Name der Bilddatei (passenderweise nach dem entsprechenden Promi benannt) wurde auf der Leinwand eingeblendet. Aber ein Profi behält die Nerven, erklärt einfach beide Kandidaten zum Sieger und geht elegant zum nächsten Punkt über.

Mein persönliches Highlight war aber die Neuinszenierung einer „Most Wanted“-Sendung. Da ich an die frühen Neunziger nur noch sehr verschwommene Erinnerungen habe, war vieles für mich scheinbar neu (Who the hell is Pathetic Pat?): Rays scheußliche Sakkos, Rob the Cameramans schwindelig machende Kamerafahrten, die Rubrik „Schickt uns Gegenstände, die wir kaputt machen sollen“ und im Hintergrund der Producer, der ins Megafon brüllt: „Get on with it!“ (Der Typ ist echt voll in seiner Rolle aufgegangen, nein, was haben wir gelacht.)

Und was soll ich sagen: Es funktioniert noch! Ich hatte echt befürchtet, dass „Most Wanted“, wie so viele schöne Kindheits- und Jugenderinnerungen (Fahr zur Hölle, Captain Future!), nur in der Erinnerung schön ist und mir aus heutiger Sicht total lächerlich und albern vorkommt. Weit gefehlt! Ich weiß nicht, was die Teenagerin dazu sagen würde, aber für mich und meine „Klassenkameraden“ aus dem Publikum war der Abend genauso, wie wir MTV in Erinnerung haben: als anarchischer, sinnbefreiter, aber unheimlich witziger Zeitvertreib, den andere Generationen nicht verstehen und der genau deshalb etwas Besonderes ist. Und die Eltern – und inzwischen auch die Kinder – haben ja sowieso keine Ahnnung!

Der alte Mann und das Internet

Mein Vater fotografiert gern. Schon immer. Früher analog, inzwischen digital. Was lag da näher, überlegte ich, als ihm zum Geburtstag Photoshop Elements zu schenken. „Gute Idee“, lachte meine Schwester, „aber die Benutzung erklärst du ihm.“ Kein Problem, so schwer kann das ja nicht sein. Dachte ich. Bis vor ein paar Tagen.

„Ich habe da ein Problem. Kannst du mir helfen?“, fragt mein Vater am Telefon. Kann ich.

„Das Programm sagt, ich muss mich mit meiner Adobe ID anmelden.“

„Dazu musst du auf die Adobe-Seite gehen und dich registrieren.“

„Ich geh also ins Internet.“

„Ja, genau. Am besten suchst du bei Google Adobe und Registrieren, dann solltest du direkt die richtige Seite finden.“

„Aha, hier ist was. Aber hier steht nichts von Registrieren.“

„Sieh dich auf der Seite um, irgendwo muss da was sein.“

„Hier steht nichts.“

„Klick doch mal ein bisschen rum, vielleicht findest du dann was.“

„Nein, dann will mir nur jemand was verkaufen.“

Dieses Blinde-Kuh-Spielen bringt uns nicht weiter. Ich hole meinen Laptop und schalte ihn an. „Warte kurz, Papa, ich seh mir das mal selbst an. … So, jetzt bin ich auf der Seite. Guck mal, oben rechts ist ein Reiter Anmelden.“ Ich klicke ihn an. „Ah, da ist der Link zur Registrierung.“

„Und was mache ich jetzt?“

„Jetzt klickst du auf den Link und füllst die Felder aus.“

„Auf welchen Link?“

Ich atme einmal tief durch. „Auf den, auf dem Registrieren steht.“

Fünf Minuten später hat er seinen Namen und seine Emailadresse angegeben. Aber schon beim Passwort treten neue Probleme auf.

„Was für ein Passwort wollen die denn von mir?“

„Ein neues, das kannst du dir aussuchen.“

„Mein Email-Passwort?“

„Nein, nimm lieber ein neues.“

„Was für ein neues?“

„Denk dir einfach eins aus.“

Die Teenagerin kommt dazu und versucht, mich in ein Gespräch zu verwickeln. Aber dieser Fall erfordert meine volle Konzentration. Ich wedele mit den Armen, das internationale Zeichen für „jetzt nicht“.

„Hast du ein Passwort?“

„Warte, ich muss es mir noch aufschreiben.“

„Gut, dann klick jetzt auf Registrieren.“

„Jetzt bin ich wieder auf der Hauptseite.“

„Und steht da irgendwo deine ID?“

„Nein, da steht nichts.“

„Ok, dann sieh mal in deinen Emails nach.“

„In meinen Emails? Wieso das?“

„Vielleicht haben sie dir deine ID zugeschickt.“

„Gut, dann muss ich eben meine Emails öffnen.“

Pausepausepause … „Ja, da ist was. Willkommen bei Adobe. Sie müssen Ihre Emailadresse verifizieren. Bitte klicken Sie auf nachfolgenden Link … Was soll ich jetzt machen?“

Ich rolle stumm mit den Augen. Die Teenagerin amüsiert sich im Hintergrund prächtig.

„Du musst deine Emailadresse verifizieren. Klick auf den Link.“

„Und dann?“

„Das siehst du dann. Tu es einfach!“

„Jetzt bin ich wieder auf der Adobe-Seite.“

„Und steht da deine ID?“

„Nein.“

Verdammt, was passiert hier? Das kann doch nicht so schwer sein. Ich registriere mich selber für eine ID. Name, Email, Passwort, Registrieren. Ich öffne meine Mails und schlage mit dem Kopf auf die Tischplatte..

„Äh … Papa, guckst du bitte noch mal in deine Mail?“

„Warum?“

„Was steht da genau?“

„Das habe ich doch schon vorgelesen. Willkommen bei Adobe. Ihre Adobe ID lautet … Aber das ist meine Emailadresse!“

„Ja, deine Emailadresse ist auch deine Adobe ID. Jetzt markierst du bitte deine ID und kopierst sie. Und jetzt öffnest du dein Photoshop.“

„Aha. Und jetzt?“

„Fügst du sie ein.“

„Wo denn?“

Mein Augenlid fängt an zu zucken. Die Teenagerin liegt auf dem Boden vor Lachen. Gepresst stoße ich hervor: „Da, wo Adobe ID steht.“

„Aber die wollen ein Passwort. Was gebe ich denn da an?“

Herrje. „Na das, das du eben vergeben hast.“

„Passwort und ID stimmen nicht überein.“

Seufz. „Hast du das neue Passwort eingegeben? Das, das du eben vergeben hast? Das, das du dir aufgeschrieben hast?“

„Achso, das neue Passwort muss ich eingeben?“

Ich muss lachen. „Papa, du kannst dein Haus auch nicht mit deinem Autoschlüssel öffnen, nur weil beide Schlüssel dir gehören. Du musst schon das Passwort nehmen, das das System kennt.“

„Es geht aber immer noch nicht. Was ist denn das für ein Mist?“

Ich muss unbedingt Fernwartungssoftware installieren. So im Blindflug ist das kacke. Ich gehe die Daten noch mal durch, die ich auf meinem Rechner sehen kann. Moment mal: Hinter der Adobe ID ist in meiner Mail ein Punkt.

„Papa, ist da ein Punkt hinter deiner Adobe ID?“

„Ja.“

„Mach den mal weg, der gehört nicht dazu. Geht’s jetzt?“

„Warte, ich klicke auf Anmelden … Es passiert was! Das sieht schon mal besser aus. Ja, das Programm öffnet sich. Endlich! Mann, ist das kompliziert.“

Ich kann nicht mehr. Mit zitternden Händen lege ich auf und wische mir den Schweiß von der Stirn. Das mit dem Chromecast zu Weihnachten überlege ich mir besser noch mal.

Die Berufene / The Girl With All the Gifts – M.R. Carey

Zugegeben, ich habe bisher keine Bücher gelesen, in denen Zombies vorkommen. Ich kenne ein paar Filme, die mir mal mehr, mal weniger gut gefallen haben, aber das war’s auch schon. Hätte ich vorher gewusst, worum es in dem Buch geht, ich bin mir nicht sicher, ob ich es gekauft hätte.

Dann wäre mir aber echt was entgangen, dieses Buch ist wahnsinnig gut, eins der besten, die ich seit Langem gelesen habe. Es geht nicht nur um den Kampf Gut gegen Böse, sondern es behandelt viel elementarere Themen wie die Frage „Was ist Menschlichkeit?“. Carey stellt unsere Rolle an der Spitze der Evolution infrage, er schildert eine so nachvollziehbare post-apokalyptische Dystopie, die einen ob ihrer Nähe zu unserer Realität schaudern lässt. Der Leser fragt sich nicht nur, ob so etwas in Wirklichkeit passieren könnte, sondern vielmehr wann.

Gut, dass Zombies in absehbarer Zukunft die Erde beherrschen, ist eher unwahrscheinlich. Dass ein Virus – oder wie in diesem Fall ein Pilz – sich explosionsartig verbreitet und in einer Pandemie nahezu die gesamte Menschheit auslöscht, ist dagegen ein Szenario, dass die Medien zuletzt mit der Vogelgrippe und mit Ebola versucht haben zu erschaffen.

Mit genau dieser Angst spielt auch der Autor. Nur stellt er – meines Wissens zum ersten Mal in diesem Genre – die Frage, ob die Menschheit tatsächlich um jeden Preis gerettet werden muss. Die Figur der Dr. Caldwell, die als Wissenschaftlerin buchstäblich über Leichen geht und ihre Handlungen stets mit der Relevanz ihrer Forschungsergebnisse rechtfertigt, steht nicht nur für die menschliche Neugier, sondern vor allem auch für die Rücksichtslosigkeit, mit der wir Menschen die Natur und alles, was wir daran nicht verstehen, missbrauchen. Sergeant Parks und Private Gallagher sind Soldaten. Sie stehen für Gewalt und Tod. Lediglich die Figur der Lehrerin Helen Justineau ist ambivalent, da sie echte Empathie entwickelt.

Aber auch sie ist nicht frei von Schuld, taugt nicht als Modell des guten Menschen. Daher ist es nur konsequent, dass sie ihre Rettung als Erlösung und Strafe gleichermaßen empfindet. Ähnlich wie Robert Neville in Richard Mathesons „I am Legend“ – das Buch, nicht der Film – erkennt sie sich am Ende selbst. Anders als bei Matheson liegt in der Erkenntnis aber keine Chance auf Erlösung.

Eine gute Tat?!

Heute war ich beim Sport. Das ist jetzt nicht sooo außergewöhnlich, aber ich habe gerade erst wieder damit angefangen und war hinterher ziemlich kaputt. Auf dem Heimweg bin ich dann die Straßen langgeschlendert, in der Hoffnung auf ein Car2Go. Natürlich ist nie ein Car2Go da, wenn man es braucht. Ein Bus fährt auch vom Fitnessstudio nach Hause und der fuhr sogar direkt an mir vorbei. Wäre ich gerannt, hätte ich ihn noch erwischt. War ich aber zu kaputt zu, also musste ich weiterhin laufen.
Und dann passierte es: Ich begegnete einem Mann, der gerade dabei war, ein Kaninchen von der Straße zu schippen. Das zappelte noch! Er erzählte mir, dass es vermutlich von einem Auto angefahren worden wäre. Was tun? Es war ziemlich klar, dass das arme Vieh hinüber war. Ich habe es aber nicht übers Herz gebracht, es einfach da liegen zu lassen. Also das Handy gezückt, den nächsten Tierarzt gegoogelt und angerufen. Der war noch da und versprach, trotz Feierabend auf mich zu warten. Da hatte ich mir ja was eingebrockt. Am Ende würde ich noch total viel Geld dafür bezahlen müssen, dass er ein Wildkaninchen einschläfert. Kurz spielte ich mit dem Gedanken, die Mission abzubrechen und das halbtote Tier seinem Schicksal zu überlassen, ich gebe es zu. Aber dann dachte ich an die Teenagerin, die ihre kindliche Liebe zu Tieren noch nicht verloren hat und mir ein solch schändliches Verhalten nie verzeihen würde. Außerdem stand ich jetzt bei dem Tierarzt im Wort. Also die Sporttasche gezückt, das Tier ins Handtuch gewickelt, vorsichtig reingelegt und los. Und wieder: kein Car2Go in Sicht, wenn man eines braucht,
Ich war in Panik, unter Zeitdruck und ein bisschen genervt von meiner eigenen Dämlichkeit. Bus war auch keiner mehr in Sicht, meine gerade gelockerten Nackenmuskeln verspannten sich mit jedem Meter mehr. Der Tierarzt hat seine Praxis in der Fuhlsbütteler Straße 96. Die ist ziemlich lang, also musste ich vom Barmbeker Bahnhof aus den Bus nehmen. Und wieder fuhr mir der Bus vor der Nase weg. Das Kaninchen in meiner Tasche fing an zu zappeln, die Leute an der Bushaltestelle sahen mich merkwürdig an und rückten etwas von mir ab. Endlich kam der Bus. Was mir nicht klar war, obwohl ich in der Gegend wohne, war, dass die Fuhlsbütteler Straße nicht mit der Hausnummer 1 beginnt – sondern mit Nummer 92. Die Tierarztpraxis ist also unmittelbar neben dem Barmbeker Bahnhof und ich steh da und warte auf den Bus!
Nachdem ich meinen Irrtum bemerkte, bin ich an der nächsten Station natürlich gleich wieder ausgestiegen und zurückgelaufen. Das kostete noch mehr Zeit, sowohl für das arme Tier als auch für den armen Tierarzt. Und das alles nur, weil ich das Richtige tun wollte.
Irgendwann kam ich dann tatsächlich in der Praxis an, verschwitzt und außer Atem. Das Kaninchen hatte zu diesem Zeitpunkt seit wenigstens zehn Minuten kein Lebenszeichen von sich gegeben. Ich hatte es schon befürchtet: Es hat es nicht geschafft. Der Arzt konnte nur noch den Tod feststellen, wie es im Krimi immer heißt. Aber jetzt kam das Beste: Das Vieh war gar nicht vom Auto angefahren worden. Alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass es an der Kaninchenseuche verreckt war! Offenbar eine unter Wildkaninchen weitverbreitete Krankheit. Und ich hatte das blöde Vieh in meiner Sporttasche durch die Gegend getragen!
Wieder zu Hause habe ich erst mal den gesamten Inhalt meiner Sporttasche in die Waschmaschine geschmissen. Selbst meine Sportschuhe mussten eine sehr heiße Wäsche über sich ergehen lassen. Hoffentlich überleben sie das! Naja, wenigstens Hugo wird es freuen, der findet die Schuhe nämlich pottenhässlich und zieht mich schon seit Langem auf, ich solle mir neue kaufen. Das hat man nun davon, dass man eine gute Tat tun wollte. Ich geh jetzt duschen!